Europa vom Wasser aus denken
Während die meisten Forscher Europa aus der Perspektive des Festlands betrachten, untersucht unser interdisziplinäres Konsortium LIMINALWATER (welches durch das HERA/Chanse-Programm gefördert wird), das aus fünf Ländern besteht, die Wasserwege, welche die Peripherien oder Grenzen Europas markieren, und somit „liminale“ Wasserwege darstellen. Durch verschiedene Ansätze aus den Literatur-, Kultur-, Sozial-, und Geschichtswissenschaften erkunden wir, welche Möglichkeiten und Herausforderungen sich in diesen Grenzgebieten verschiedener Wasserwege ergeben.
Liminal Waterways Countercultures: Modelle für Anpassung und Vielfalt
Unter Liminal Waterways Countercultures verstehen wir kreative alternativen Lebensformen, die in diesen Räumen entstanden sind. Sie entwickelten sich vor dem Hintergrund der europäischen Diversifizierungskrise (befeuert von angstbehafteten Diskursen über kulturelle Vielfalt und menschliche Mobilität) und der ökologischen Krise (welche u.a. das Austrocknen, die Erosion und die Überflutung von Flüssen und Küstenlandschaften zufolge hat) und führten zur Genese von Countercultures (Gegenkulturen) welche als Modelle für Resilienz verstanden werden können.
Von Wasser getragen: Kultur und Widerstand
Wir greifen auf verdrängte Narrative zurück, welche die Rolle von Wasser in Europa – sowohl in seiner Metaphorik als auch seiner Materialität – für diverse Gemeinschaften, Künstler, Aktivisten und Kommunen herausarbeiten und veranschaulichen, wie Wasserwege postkoloniale und postimperiale, postfaschistische und postsozialistische, urbane und natürliche Räume geformt haben. Wir greifen auf historische, literarische, räumliche und anthropologische Methodologien zurück, um mit Wasser verknüpfte, multilinguale Orte der plurikulturellen Produktion und des vielfältigen Zusammenlebens zu erforschen, welche durch Ströme von Menschen, Ideen und Objekten geformt wurden. Unsere Fallbeispiele – sowohl historische als auch zeitgenössische –führen zu den Atlantikmündungen Ria Formosa und Merseyside, den Häfen von London und Ostende, auf die Insel Rhodos, an die Mittelmeerküsten von Marseille, sowie das Flussnetz, das Mitteleuropa mit dem Balkan und der Adria verbindet.
Wasserwege sozial kontextualisiert
In Zusammenarbeit mit unseren assoziierten Partnern – Sciaena (einer portugiesischen Basis-Umwelt-NGO), dem Museum der europäischen und mediterranen Zivilisationen in Marseille (Mucem) und dem Museum für Seefahrt und Geschichte der kroatischen Küste in Rijeka (PPMHP) – wird innerhalb des Projekts digitales audiovisuelles Material zu jedem Standort erstellt werden (einschließlich virtueller „Spaziergänge” für jeden Standort sowie kartografischer Ressourcen, die es nicht-akademischen Nutzern innerhalb und außerhalb unserer Standorte ermöglichen, diese zu visualisieren und die Verbindungen zwischen ihnen zu erkennen). Das Projekt endet mit einer Museumsausstellung im PPMHP, welche die Ergebnisse sämtlicher Einzelprojekte vorstellt und damit auch künftige Resilienzstrategien für die Herausforderungen der Klimakrise und des Migrationswandels veranschaulichen soll.